Sonntag, 21. April 2013

Frühling und der schönste Tag im Leben

(Nein, nein, ICH doch nicht, nie im Leben.) :-)

Seit einigen Wochen wird wieder vermehrt geheiratet und sich verheiratet vermehrt, egal wo man hinsieht, ob man will oder nicht, überall turtelnde Pärchen mit oder ohne Kind oder mit ohne Kind aber Bauch. Und Hochzeitskleider, steife Anzüge, blumengeschmückte Karossen, Hupkonzerte, der Platz vor dem Rathaus ist im Stundentakt mit anderen Hochzeitsgesellschaften bestanden (besetzt paßt schlecht, man steht ja immer zum Sektempfang), und verschiedene Hochzeitsfotografen machen mit verschiedenen Hochzeitspärchen eine photo-shoot-Polonaise rund um den Ententeich im Kurpark.

Das beobachtend, während meine Jüngste und ich die Enten füttern und einen Hund, der sich für eine Ente hält, gleich mit, amüsieren wir uns über die lustigen Verrenkungen des Fotografen beim Knipsen. Die Gefahr, in der sich seine teure Kamera befindet, während er, um das perfekte Bild zu bekommen, wagehalsige stunts auf dem Teichgeländer vollführt und dabei fast ins Wasser stürzt, entlockt uns einige erschrockene Luftschnapper, und die unübersehbar unromantische Stimmung, in der sich das aktuell direkt vor uns abgelichtete Hochzeitspaar befindet, erweckt Mitleid.
Es sind immerhin nur 11 °C, eigentlich viel zu kalt, um im dünnen schulterfreien Kleid einen einstündigen Fotoshoot an der zugigsten Stelle der Stadt zu absolvieren (erst recht, wenn frau dann noch nicht mal eine Runde weiter kommt, um eventuell Germany´s next topfmodel zu werden ;-) ), aber die Braut ist gut gepolstert. Der zugehörige Bräutigam ebenso, aber dieser hat einen Anzug an - und ein langärmeliges Hemd. Wie unfair. ;-) Und die nächsten Pärchen stehen schon in Startposition... und ich frage mich angesichts der gequälten Mienen, mit der vor allem die Bräute ihre Füße in den Brautschuhen mustern, der Gänsehaut, die man beinahe über den ganzen See hinweg sehen kann, dem Unbehagen, mit dem die Bräutigame ihre Köpfe in den viel zu engen Krägen hin- und herdrehen, ob ihr Hochzeitstag wirklich der schönste Tag im Leben wird, oder eher der Tag, von dem sie hoffen, er möge am schnellsten zuende sein. Denn nach dem Fotografieren wartet noch der abendliche Festmarathon auf sie, mit allem an Verwandtschaft und Bekanntschaft und Kollegschaft, was eingeladen und beeindruckt werden muß.

Wir schauen uns interessiert die Enten und die Parade der Hochzeitspärchen an, nach drei Stunden sind unsere Brotstückchen alle, die Enten satt, wir ermüdet und verfroren. Die Pärchen wirken - unromantisch. Viele fauchen sich auf dem Weg von einer zur anderen location rund um den See gereizt an, um dann auf Kommando das liebende, sexy, schöne Paar darzustellen, das sich liebevoll in die Augen sieht... und mir zeigt genau eben dies, daß eine Hochzeit dieser Art für mich nicht in Frage kommt. Mehr Schein als Sein, egal wie, das perfekte Foto muß her. Sonst ist es der falsche Ehemann... was einer der armen Kandidaten auch unüberhörbar zu hören bekommt. Ich schäme mich fremd für die Frau.

Ein Glück, daß heutzutage so gut wie niemand mehr an "bis daß der Tod euch scheidet" glaubt. Höchstens "bis daß die Polonaise um den Park zuende ist". Amen. ;-)
Grüße, und einen schönen Frühling, Sathiya

Text von meinem Wordpress-Blog  sathiyas.wordpress.com

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